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des Dachſtübchen kriechen mußte. Man kann das dem Manne nicht zur Laſt legen; er hatte Unglück im Spiel, wie Ihr und ich. Es war natürlich, daß er nicht an ſeine Leute denken konnte, er war ja ſelbſt in größter Kalamität. Jeder von uns mußte auf ſeine eigne Fauſt leben.— Ich aber war unglücklicher Weiſe eben auch gräulich abgebrannt und in meinem Kopf und Beutel ſah's aus, wie in der Welt am er⸗ ſten Schöpfungstage, wüſt und leer. Da machte ich mit einem ruſſiſchen Schiffskapitän Bekanntſchaft; er gab mir das Logbuch zu führen und die Küchenrech⸗ nung zu machen, und ſo ſind wir mit guter Fracht nach Stockholm gekommen. Ich pflege in jeder Stadt gern luſtige Häuſer zu beſuchen, und da das Schiffs⸗ volk hier bei Frau Ankarfield einkehrt und ſich von ihr Bart und Geld abnehmen läßt, ſo bin ich zu glei⸗ chem Zweck hier. Das Geld bin ich los, den Bart noch nicht. Wo ſteckt die Frau?“
„Da kommt ſie eben über die Straße,“ ſagte ein Bürſchlein, welches Sohn, Kellner und Barbierburſche zugleich war;„wenn Ihr befehlt, mein Herr, ſo will ich Euch des Bartes entledigen.“
„Und des Kinnes dazu, Junge. Du magſt Deine Schabekunſt an Delinquenten lernen; mein Geſicht iſt
bis jetzt noch zu gut dazu. Ich weiß ſchon, daß Deine
Mutter Meſſer und Wort gleich trefflich führt, und nur von ihr will ich bedient ſein.— Wie heißt der ſchwediſche Kaperkapitän, dem Ihr anheim gefallen ſeid, Herr?“
„Norcroß,“ verſetzte Flaxmann mürriſch.
„Norcroß?“ rief ein wohlgebildeter Mann, der auf derſelben Bank ſaß, früher mitgeſpielt und das meiſte Geld gewonnen hatte, derſelbe, welcher von der Wirthin dem kleinen Juel als enſihethne der im
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