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„Das gehört mit zum Handel und Wandel in der Welt,“ lachte der Spion.„Wer mich bezahlt, dem
dien' ich. Wer ſich betrügen läßt, iſt ſelbſt Schuld
daran. Zwang kann ich Niemandem anthun. Uebri⸗ gens beweiſt ja Euere Gegenwart klar und deutlich, daß Ihr den König von Dänemark oder den Lieute⸗
nant Kreuz auch um's Handgeld betrogen habt. Und
darum wird Euch kein kluger Mann verdenken.“
„Ihr mögt in dieſem Stück Euere beſondern An⸗ ſichten haben. Uebrigens bin ich ſchwediſcher Kriegsge⸗ fangner geworden und habe weder den König von Dänemark, noch den Lieutenant Kreuz betrogen; denn das Schiff, welches mich mit den übrigen Rekruten nach Kopenhagen transportiren ſollte, wurde von einem ſchwediſchen Kaper als Priſe genommen.“
„Und wollt Euch hier im Hauſe als Kriegsgefan⸗ gener ein Quartier miethen?“ ſagte der Kerl und verzog ſein breites häßliches Geſicht zur ſpöttiſchen Lache.„Die Dame dort hat wohl auch mit zu den Rekruten gehört und iſt mit Euch in ſchwediſcher Ge⸗ fangenſchaft? Ihr habt Euch ein erträgliches Geſchäft und kurzweilige Geſellſchaft gewählt.“
Flarmann unterdrückte ſeinen Unwillen über die frechen Reden des gemeinen Menſchen und erwiderte blos:„Ich ſehe nicht ein, wie ich dazu kommen ſollte, Euch die Art und Weiſe meines Hierherkommens mit⸗ zutheilen. Weiß ich doch noch viel weniger, wie Ihr von Hamburg hierher gekommen ſeid.“
„O! das kann Jedermann wiſſen,“ rief der Andre herausfordernd;„mein gnädiger Patron, der Lieute⸗ nant Kreuz hat ſeine goldnen Füchſe einmal alle un⸗ ter die Philiſter gejagt und war ſo pauvre geworden, daß er nicht nur Kutſche und Pferde, ſondern ſogar Rock und Hemd vom Leibe verkaufen und in ein elen⸗


