——
5
Mittelſtube, die daranſtoßende grüne Stube, das Hin⸗ terſtübchen und die Erkerſtube mit der Dachkammer inne. Das macht, ſie hat noch Dienerſchaft bei ſich. Einen alten guten Freund und Zunftgenoſſen meines ſeligen Mannes, der hat ihr eben das Logis bei mir recommandirt, nebſt deſſen Frau und Tochter und einem ſchmucken netten Kammerdiener obendrein. Der Kam⸗ merdiener— dort ſitzt er mit am Tiſche und kartet; der Krauskopf. Er hat heute viel Glück im Spiel.— Der Kammerdiener alſo, ſag' ich— wohnt im Erker⸗ ſtübchen, der muß heraus und ſich mit in's Hinter⸗ ſtübchen einquartieren, und oben hinein nehm' ich das gnädige Fräulein. So geht's!“ Und ſogleich ſchritt ſie mit unterwürfigen Geberden auf Friederiken zu und ſagte:„Die Ehre, ſo Ihr mir anthut, iſt kein auf unfruchtbaren Boden fallendes Korn. Ich habe ſchon ein ſehr reiches, vornehmes Fräulein im Hauſe, die mir viel Ehre angethan; nun unſereins hat auch ſeine Ambition, und ich ſehe ihr Alles an den Augen ab. Sie liegt nun ſchon vierzehn Tage bei mir und war⸗ tet auf einen Seekapitän, der hier im Hafen einlau⸗ fen ſoll. Lieber Himmel, es wird wohl ihr Herzge⸗ ſpons ſein. Der thut nicht übel, ſo wahr ich eine Frau bin, die kein Menſch verachtet! Sie hat das Geld in Säcken aus ihrem Wagen heben und in die große Mittelſtube ſchaffen laſſen, da liegt's im Klei⸗ derſchrank unten; der ganze Boden iſt mit den Säcken ausgefüllt. Na, die wird eine Freude haben, in Euch Geſellſchaft zu finden, und für mich iſt die Ehre dop⸗ pelt groß.“ Sie knixte während dieſer lebhaft her⸗ vorgebrachten Worte zu verſchiedenen Malen und er⸗ wiſchte endlich das grünſeidene Jagdkleid des Fräu⸗ leins, um einen Kuß darauf zu drücken.
„Was aber ſoll aus meinem Begleiter werden?


