Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
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und ſagte mir, er werde Euch morgen das Nähere ſchon mittheilen.

Morgen erſt; viel Ehre! ſeufzte die Frau.Aber wie heißt ſie denn? Woher kommt ſie? Wo habt ihr ſie an Bord genommen? Wo will ſie hin? Was will ſie hier anfangen? Sag', Kind, ich bitte Dich, ſag' an! ſag' an!

Ihr könnt glauben, werthgeſchätzte Frau Ankar⸗ field, daß ich Euch hoch verehre und Alles aufbiete, Euch meine Ergebenheit an den Tag zu legen. Aber fürwahr beim beſten Willen bin ich unmöglich im Stande, Euch alle Fragen zu beantworten. Was Euch zu ſagen in meinen Kräften ſteht, ſollt Ihr wiſſen und erfahren. Auf unſrer Fregatte wurde ſie gnädi⸗ ges Fräulein genannt, aber ich vermuthe aus vielen

Gründen, daß ſie weit mehr iſt und ſich nur ſo titu⸗

liren ließ. An Bord haben wir ſie genommen von einem däniſchen Schiff, und daß ſie eine Dänin iſt, könnt Ihr aus der Sprache hören. Ich horchte ein⸗ mal ſo mit halbem Ohr und da merkte ich, daß ſie hier mit dem Könige conferiren werde.

Mit des Königs Majeſtät! ſchrie die Frau auf. Welche erſtaunliche Ehre! Unſereins hat auch ſeine Ambition. Nun ſieh' an, mein Schäfchen, die Ehre laß ich mir nicht entgehen, die Dame behalt' ich im Hauſe. Ihre Kleider ſind über die Maßen vornehm und prächtig. Sieh nur einmal den grünſeidenen kur⸗ zen Ueberwurf mit goldenen Litzen beſetzt. Was mir das für eine Ehre iſt! Ich werde jetzt mit Ehre über⸗ ſchüttet; es vergeht kein Tag, wo mir vornehmer Be⸗ ſuch nicht Ehre anthut. Nun ich weiß es auch zu ſchätzen. Sieh', Kindchen, eben habe ich ja faſt das ganze Haus voll. Eine reiche, vornehme Dame, eben ſo ſtatiös, eben ſo prächtig gekleidet, hat meine große