Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
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Vernunft ſelbſt ſtrebende Geſetz, da fliehen die Gra⸗ zien und Muſen und der menſchliche Wille gibt ſich mit trüber Muthloſigkeit der tyranniſchen Nothwendig⸗ keit gefangen. Die Freiheit iſt der Acker, in welchem das Menſchengeſchlecht ſeiner Vollendung und Glück⸗ ſeligkeit entgegenreift. Aber wir verſtehen dieſen Acker noch nicht zu bebauen, wir wiſſen das Unkraut noch nicht vom Weizen zu unterſcheiden und reuten entwe⸗ der gar nicht, und dann wächſt das Unkraut, vermöge ſeiner innern gemeinen Natur, über den Weizen, raubt ihm die Nahrungsſäfte, nimmt ihm das wohlthätige Sonnenlicht und verderbt ihn; oder wir reuten und reißen die beſten Weizenpflänzlein mit dem Unkraut weg, und ſind um nichts gebeſſert. Alſo Kultur thut uns noth, und die läßt ſich nicht erzwingen; langſam zieht ſie über die Erde, aber ihr Siegeswagen gräbt unauslöſchliche Spuren in den Boden. Sobald die Menſchheit der Freiheit werth iſt, wird ihr der Him⸗ mel ſein ſchönſtes Geſchenk nicht ferner vorenthalten, und man wird nichts mehr wiſſen von Stuart's und Hannoveranern, von den Zänkereien und Eiferſüchte⸗ leien der Könige von Schweden und Dänemark.

Von dieſen allerdings nicht, aber von Andern. Um Herrſchaft wird ewig gekämpft werden. Wir repräſentiren die beiden ſich einander entgegenſtehenden Principe. Unſere Freundſchaft wird ſich mit der Ver⸗ ſchiedenheit unſrer Meinungen vertragen; Liebe weiß von all' dem nichts. Sie iſt ein unſchuldiges, unwiſ⸗ ſendes Kind, das allein mit Blumen ſpielt. Ich fühle tief, daß ich nur Chriſtinen liebe. Aber geben Sie mir Hoffnung! Ich bedarf ihrer, um nicht an meinem Schickſal zu verzweifeln.

Hoffen Sie, mein Freund! Der Himmel läßt keinen Hoffenden ſinken.