Teil eines Werkes 
1. Theil (1831)
Entstehung
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ſchuldigen Umarmungen Troſt fuͤr den Schmerz zu ſuchen, von welchem ſie nichts verſtanden.

Es konnte nicht fehlen, daß die Kleinen nach Vater und Mutter fragten und nach Hauſe gebracht zu werden begehrten, und Louiſe konnte ſie nicht eher beruhigen, bis ſie ihnen verſprach, die Eltern mit ihnen aufzuſuchen. Schon dunkelte es, als ſie von einen der Knaben fortgezogen durch die Straßen ging. Die Kinder eilten natuͤrlich der väterlichen Wohnung zu, und Louiſe hinderte ſie in ihrem eintoͤnigen Schmerze nicht daran, ſondern folgte den ungeſtuͤmen Kleinen mechaniſch nach. Schon von fern bemerkte ſie einen Menſchenhaufen, in der Straße. Hinzuge⸗ kommen ſah ſie mit Erſtaunen, wie der wuͤſte Platz, auf welchem das Haus geſtanden hatte, bereits ge⸗ reinigt und gepflaſtert war. Eben waren die Hand⸗ werksleute noch bemuͤht, in der Mitte des Platzes ein großes, maͤchtiges, hoͤlzernes Kreuz aufzurichten. Die Kinder ſchrieen laut und verzweifelt auf, und konnten es nicht begreifen, daß ſie das Haus ihres Vaters nicht fanden. Sie wurden ganz irre und klammerten ſich an die unglückliche Louiſe, gleichſam ihre letzte Stuͤtze an. Dieſe draͤngte ſich durch die gaffende Menge und fragte einen der Arbeiter weshalb dieſes ungeheure Kreuz hieher gepflanzt würde.

Das geſchieht auf Befehl Ihrer Majeſtaät der Koͤnigin, verſetzte der Menſch,und ſoll zweierle bedeuten. Erſtens ein Siegeszeichen der katholiſchen Kirche, denn der wahre Glaube hat allemal durch das Kreuz geſiegt. Zweitens ſoll es ſein ein Warnungs⸗ zeichen fuͤr das Ketzervolk, damit es nie wieder wagt, ſich in Paris wichtig zu machen.

Louiſe ging trauernd von dannen.

Am andern Tag erging von der Koͤnigin eine Einladung an den Hof, der Hinrichtung des Ketzers