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Schon nach einigen Tagen verbreitete ſich in Pa⸗ ris das Geruͤcht, daß Gaſtine zum Tod durch den Strang verurtheilt worden ſei und die Execution mög⸗ lichſt bald an ihm vollzogen werden ſollte. Louiſe ge⸗ rieth in Verzweiflung; ſie beſtuͤrmte ihren Vater mit Bitten, denen nur ein Felſenherz hätte widerſtehen können, und nur um ihr zu genügen— denn er wußte ja, daß er nichts ausrichten und ſich ſogar durch dieſen Gang ſchaden wurde— wandte er ſich an ſeinen Herrn, den Marſchall Rez. Mit kaltem Hohn wieß ihn dieſer an die Königin ſelbſt; du Froiſ⸗ ſet wagte an ſie die Bitte um Gaſtine's Leben; ſie lachte mit Anmuth und drohte ihm mit dem Fächer; „Maͤnnlein“ ſagte ſie,„Ihr ſtellt meine Geduld auf eine harte Probe: erſt laßt Ihr mir Euren huͤbſchen Schuͤler von dannen laufen, und ich wollte mich ſelbſt drauf haͤngen laſſen, Ihr habt ihn zur Flucht bere⸗ det, und nun kommt Ihr gar, fuͤr den erſten Ketzer in Paris zu bitten. Wißt Ihr was, Kammerherr; Ketzer gegen Ketzer, ſchafft mir den Henrico, den ſo⸗ genannten Herrn von Trebiſonde wieder zur Stelle, und Ihr ſollt den Kaufmann haben.“ Und ſomit ließ ſie ihn ſtehen und ging lachend von dannen.
Du Froiſſet kam ſchwermuͤthig nach Hauſe; Louiſe eilte ihm zagend entgegen, aber ſie las in ſei⸗ nen Zuͤgen ihres geliebten Pflegevaters Geſchick, und weinend eilte ſie zu den Kindern, um in ihren un⸗


