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An demſelben Morgen hatte der Herzog Heinrich
von Guiſe eine Audienz bei der Koͤnigin. Sie war ſehr bei Laune.
„Wißt Ihr auch, Herr Herzog, daß wir heut Nacht ein ganzes Neſt voll Maͤuſe gefangen haben? Was meint Ihr, wir wollen ſie braten laſſen, daß die uͤbrigen in Frankreich, vom Geruche vertrieben, Reißaus nehmen?“
Der Herzog uͤberhäufte die Königin mit Lob⸗ ſpruͤchen wegen ihrer Wachſamkeit, und legte dann ſchuchtern eine dringende Bitte fuͤr das Leben des Faufmanns ein, aber Katharina maß ihn mit großen Augen und verhehlte ihm ihr Staunen ob ſolcher Bitte nicht. Sie ſchlug ihm das Geſuch rund ab, und bat ihn, dergleichen nicht wieder zu erwaͤhnen. Er mußte ſchweigen, wollte er nicht Alles be⸗ fürchten. Um jedoch nichts unverſucht zu laſſen, ſteckte er ſich hinter den edlen menſchenfteundlichen Fanzler de[Hopital, deſſen Rath ſonſt viel bei Katha⸗ rinen galt. De l[Hopital rieth zur Milde gegen die Hugenotten; er bat, flehte, wurde heftig— und ward am andern Tage ſeiner Stelle entſetzt.
Die Konigin betrieb dagegen den Proceß der ge⸗ fangenen Hugenotten mit der ſtrengſten Haͤrte. Die Kammern vekdammten die Prieſter und Oberhaͤupter zum ewigen Gefaͤngniſſe, Gaſtine als Rädelsführer zum Tode, Alle nbe zur Landesverweiſung.


