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ſende ſturzten ſich wie hungrige Raubthiere auf die Beute; Tauſende halfen an dem chriſtlichen Werke. Wände und Balken fielen zuſammen, mit dem Schutte wurden die verhaͤngnißvollen Keller gefullt. Alle fahrende Habe, alle Kaufmannswaaren wurden gepluͤndert, und was nur Hände hatte, griff zu; Kin⸗ der und Greiſe ſchleppten davon. Staubwolken und Jubelgeſchrei erfuͤllte die Luft. Ehe die Mittagsſtunde ſchlug, war an der Stätte des ſtattlichen Hauſes ein großer wuͤſter Platz mit einzelnen traurigen Ruinen. Das wuthende Volk bemuͤhte ſich während dem übri⸗ gen Tage, unter Abſingung gemeiner Siegs⸗ und Schandverſe auf die Hugenotten, noch die letzten Bal⸗ ken und Steine wegzuſchleppen, und ſich damit zu be⸗ reichern.
Ceſar und Louiſe weinten kindliche Thraͤnen. Der zuruckgekehrte du Froiſſet ſchloß ſein ſchönes Kind in die Arme und verſuͤßte der holden Tochter durch väterliche Zäͤrtlichkeit den herben Schmerz. Es war immer eine beſondere Vergunſtigung des Gluͤcks zu nennen, daß Louiſe nur wenige Stunden nach dem Verluſt ihres Pflegevaters ihren wirklichen Vater fand.
Du Froiſſet fuͤhrte, von ſeligen Gefuͤhlen durch⸗ ſtrömt, das liebenswuͤrdige, durch ſolch ungeheuern Glückswechſel noch immer wie betäubte Mädchen in ſeine Wohnung. Ihr mußten Gaſtine's Kinder fol⸗ gen, von denen ſie ſich nicht zu trennen vermochte, und denen ſie fortan Mutter zu ſein„ſich vornahm.
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