Teil eines Werkes 
1. Theil (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

303

ſehr wohl im Hauptmannsquartier aufbewahrt ſei. Ceſar war nun nicht mehr zu halten. Der Herzog befahl dem Hauptmann, das Maͤdchen ſogleich abzu⸗ liefern, und ſo ſauer auch dieſem das Gehorchen an⸗ kam, ſo machte er doch ein gar ſuͤßes Geſicht dazu, überhaͤufte den tiefbekummerten Ceſar mit Complimen⸗ ten uͤber die Schönheit und Liebenswuͤrdigkeit ſeiner Schweſter, und pries den Teufel gluͤcklich, der einſt ein ſo koſtliches Brätchen erhalten wuͤrde. Ceſar uͤber⸗ hörte all ſein Geſchwätz und ſchloß dagegen hoch entzuͤckt die befreite Schweſter in die Arme, welche einige Stun⸗ den in unbeſchreiblicher Angſt in Villoniers Wohnung zugebracht hatte. Schnell theilten ſich die Geſchwiſter das Nothwendigſte mit, und Ceſar fuͤhrte Louiſen in das Palais Heinrich Guiſe. Auf dem Wege dahin machte er ſie mit der Nachricht von dem wiedergefun⸗ denen Vater, ſo wie mit der Gewißheit bekannt, daß ſie ihn denſelben Tag noch ſehen und ſodann bei ihm wohnen werde. Louiſe war von all den wunderbaren, einander bekaͤmpfenden Eindruͤcken wie betaubt, und langte nicht anders als eine Traͤumende im Palais an, uͤberließ ſich der Sorgfalt der herbeigerufenen Frauen und brach, nachdem ihr Bruder ſie mit zaͤrtlichem Abſchied verlaſſen hatte, in einen Thränenſtrom aus. Dieſen trieb es wieder auf die Gaſſen hinaus, wo die Herolde der Koͤnigin den Befehl derſelben hin⸗ ſichtlich Gaſtine's Haus laut ausriefen. Der raſende

Pöbel ſtuͤrmte auf die ſtille Wohnſtatt des Friedens, Storchs Fanatiker. I. 20