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der Stadt noch auf dem Meere, wohin ich oft auf leichter Barke fuhr. Mein Weſen war verwandelt, und ich nur der Alte, ſo lang ich in des Buͤrmeiſters Hauſe war
und der unſchuldigen Henriette gegenuͤber ſaß. Doch von fruͤh auf gewohnt, meine Leidenſchaften zu beherr⸗ ſchen, gewann auch in dieſem Kampfe die Vernunft bald die Oberhand. Ich ſah ein, welch ein Thor ich war, mein Herz mit eitlen Traͤumen und Wuͤnſchen zu fuͤl⸗ len. Die Tochter des reichen Buͤrgermeiſters, gleichſam des Fuͤrſten von Rochelle, aus uraltem, reinen, hoch⸗ geſchäͤtzten Adel entſprungen, verwandt mit den vor⸗ nehmſten Familien des Landes, und ich— ich der Schmiedegeſell, der gemeine Soldat!— Ich lachte mich
aus, aber mein Herz blutete, mein Kopf brannte fiebriſch.
Und in einer ſolchen verzweifelten Stimmung ſchnuͤrte ich einſt mein Buͤndel und ergriff meinen Schmiede⸗ hammer, befahl meine Schweſter der ſtrengſten Obhut der alten Tante Margot an, nahm Abſchied und zog wie⸗ der uͤber Berg und Thal davon. Daß ich nicht in la Rochelle bleiben konnte, ſeit ich uͤber mich im Klaren war, erlitt keinen Zweifel; denn in ihrer bezaubernden Nähe hätte ich mich unmöglich gaͤnzlich zu beſiegen und mein armes Herz von allem thörichten Liebeswahn zu heilen vermocht. Mein Beſtreben war fernerhin, Hen⸗ rietten zu vergeſſen, mir ganz Frankreich zu beſehen,
wo möglich alle calviniſtiſchen Gemeinden kennen zu ler⸗
nen und mein Handwerk recht nach allen Seiten hin auszubilden und zur Kunſt zu erheben. Die zweite


