Teil eines Werkes 
2. Th., 1. Bdchn (1831)
Entstehung
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zen ein Gewerbe. Der Tanz einer ehrlichen Frau mit veinem Manne wird fuͤr eine große Schande gehalten. Die Kinder dieſer Daͤnzerinnen werden gleichfalls fur den Tempeldienſt beſtimmt; ſind ſie maͤnnlichen Ge⸗ ſchlechtes, ſo muͤſſen ſie bei dem Goͤtzendienſe trom⸗ meln, pfeifen, und die Becken ſchlagen; ſie duͤrfen gleichfalls nicht heirathen; ſind die Kinder aber weib⸗ lichen Geſchlechts, ſo muͤſſen ſie tanzen, die Koͤpfe der Goͤtter waſchen, ſalben u. ſ. w. An Haͤnden und Fuͤßen haben die Laͤnzerinnen klingende Schellen. Auch beſtreuen ſie die Stirn mit heiliger Kuh⸗Aſche und beſtreichen dieſelbe mit Kuh⸗Fett. neberall trifft man Pagoden an; die Bramanen machen manchmal in einem Dorfe 6o Familien aus, deren Glieder das Amt des Vaters erblich erhalten. Sie haben faſt alle Wochen ein Feü, deſſen Begehung in dem Herum⸗ tragen der Gotzen, unter Schreien, Trommeln, Pfei⸗ ſen und Pauken beſteht. Jaͤhrlich wird ein großer Wagen mit 6 Raͤdern, auf welchem einige tauſend Goͤtzen ſind, in der Stadt herum gefahren.

Als die Miſſionaͤre 4710 kei dem großen Dorfe Siliali eine Kirche zu bauen anfingen, kam es durch einen feindlichen Angriff dahin, daß der ganze Bau von den Heiden niedergeriſſen wurde. Weil die nö⸗ thige Huͤlfe von Europa ausblieb, ſahen ſich die Niſſionaͤre gezwungen, einen ihrer Mitarbeiter, Heinrich Pluͤtſchau, nach Europa, zu ſchicken.

Den 22 November 1742 reiste Ziegenbalg auf