Teil eines Werkes 
4. Th., 3. Bdchn (1832)
Entstehung
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Woͤhrend des Ramadan⸗Feſtes genießen die Tur⸗ ken von einem SonnenUntergang zum andern nichts als Tabak und Caffee, ſie pflegen dann in Gruppen bei der Muſik der Guitarre und der Trommel wilde Taͤnze zu üͤben. In der Nacht, womit die Faſten ſchließen, ſind die Minarets der großen Moſchee von der Spitze bis zum Boden mit Lampen erleuchtet. Alle Straßen waren voll Volkes in der Mitternachtsſtunde und er⸗ warteten den Anfang der Erleuchtung, ſobald die Imans den erſten Schimmer des Neumondes wahrge⸗ nommen haben, womit die Faſtenzeit ein Ende hat. Von dieſem Augenblicke an herrſcht unter den Tuͤr⸗ ken Gleichheit zwiſchen den Vornehmen und Gerin⸗ geren nicht bloß im Coran, ſondern auch im geſelligen Umgange; Jeder fuͤhlt ſich glücklicher, putzt ſich mit ſeinen beſten Kleidungsſtuͤcken, uͤberall toͤnen Muſik und religioͤſe Geſaͤnge. Auffallend iſt jedem Frem⸗ den die Zäͤrtlichkeit der Tuͤrken und Tuͤrkinnen zu ihren Kindern, deren ausgezeichnete Schoͤnheit auffaͤllt.

Die Bevoͤlkerung des eigentlichen Conſtantino⸗ pels betraͤgt nicht über a0o,000 Koͤpfe und die Vor⸗ ſtaͤdte Pera, Galata, Seutari u. ſ. w. mit den Döͤtfern an der Kuͤſte des Bosphorus enthalten noch 800,000 Koͤpfe. Ueberall trifft man eine Menge von Gaͤrten, und vor jeder Moſchee einen Hain, ſowie am Eingange einen oft reichgeſchmuͤckten Springbrun⸗ den, ſelten betritt ein Turke die Moſchee, ohne vor⸗