Teil eines Werkes 
4. Th., 2. Bdchn (1831)
Entstehung
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Ich befand mich jetzt in dem Lande, wo ſich dieſe auſſerordeutlichen Weſen in großer Anzahl befinden, und wo ſie auch zuerſt wahrgenommen wurden; denn um das Jahr 1408s zeigten ſie ſich znerſt in Ungarn und Boͤhmen. Gegenwaͤrtig ſchaͤtzt man ihre Zahl auf 222,000 in der Moldau, Wallachei und Stebenbuͤrgen. Wie die Juden, haben ſie beſtimmte und unverkenn⸗ bare Merkzeichen an ſich: tiefe Augen, braune Ge⸗ ſichtsfarbe und ſchwarze Haare; einen ſtarken Abſchen vor Arbeit, und eine große Neigung zu kleinen Die⸗ bereien. Sie bekennen ſich noch zu keiner Religion, obwohl ſie meiſtens den griechiſchen Religionsgebraͤu⸗ chen folgen, wovon ſie aber eine ſehr unvollkommene Kenntniß haben. Ihre Kinder taufen ſie meiſ ſelbſt, und zwar in einem oͤffentlichen Hauſe und in der Mitte ganz gemeiner und unanſtaͤndiger Umgebungen. Auch ſchließen ſie Ehebuͤndniſſe, ehe ſie noch mann⸗ bar ſind, und geben ſie nach Belieben auf. Daher iſt es auch nicht ſelten, Muͤtter zu ſinden, die Kinder von verſchiedenen Vaͤtern umringen. In einem ge⸗ wiſſen Alter laͤßt man die Knaben ganz nackt gehen, ſelbſt in der ſtrengſten Jahreszeit. Sobald mehrere Familien ſich anſtedeln wollen, errichten ſie eine Huͤtte,

die ſie mit ihrem Vieh bewohnen.

Die Zigeuner ſind ſehr rachſuͤchtig; oft ſteigt ihre Leidenſchaft bis zur Wuth. Auſſerdem ſind ſie Schwaͤ⸗ ter und Luͤgner. Sie hegen große Achtung gegen einige Familien unter ſich, die ſie Woiwoden nennen,