208
eine junge Baͤuerin mit einem Kinde mich mit der Bitte an, ihr zu geſtatten, meinen Wagen zu beſtei⸗ gen, und ſie mit bis in die naͤchſte Stadt zu nehmen⸗ Ich vermochte nicht, ihr dieſe Bitte abzuſchlagen. Die Baͤuerin war klein und braun, und hatte ſchwarze Augen und Haare. Auſſerdem hatte ſie eine Jacke von Schafpelz an, deſſen Wolle innerhalb war. Ihre Fuͤße ſtacken in breiten, plumpen Stiefeln; eine kleine ſchwarze Schuͤrze reichte kaum bis zu den Knien und darunter trug ſie einen Veberrock, der bis auf die Haͤlfte der Beine herab ging. Unerachtet der ſtrengen Kaͤlte hatte ſie doch keine andere Kleidung an. Ihr Kind war in leinene Windeln gewickelt, die ſo ſtark mit Stricken befeſtigt waren, daß es einem Wollſacke glich, und ich nicht im Stande war, meine Finger zwiſchen den Baͤndern hindurchzuſtecken, die es umga⸗ ben. Es war ſehr zu wundern, daß das Kind nicht erſtickte. Dieß ſchien im Gegentheile ſich recht be⸗ haglich zu befinden. Die Mutter wandte ſich mit einer Leichtigkeit und Vertraulichkeit einer alten Bekann⸗ ten an mich, und wir unterredeten uns lange im parhariſchen Latein, wovon mehr als die Haͤlfte fuͤr den einen wie fuͤr den andern verſtaͤndlich war.
Nach Verlauf einer Stunde langten wir bei den růmmern eines Schloſſes an, wovon einige Stucke Mauern, welche laͤngs dem Fluſſe hinliefen, erſt am Fuße des Gebirges endigten. Es war vordem erbaut
worden, um die Luͤrken an dem Nebergange uͤber den


