Teil eines Werkes 
4. Th., 2. Bdchn (1831)
Entstehung
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Freudig ſtiegen wir auf unſere Pferde, um den letzten Ritt zu machen, betraten nun eine vollkom⸗ men gepflaſterte Straße, zogen nordlich uͤber die Fel⸗ der und Wieſen, und paſſirten die Linien. Man fragte die Janitſcharen uͤber mich aus, ließ uns dann weites reiten, und wir kamen zu den Begraͤbnißplaͤtzen des weſlichen Dreiecks der Hauptſtadt. Die vielen tau⸗ ſend Cypreſſen, die zahlloſen Grabmaͤler an beiden Seiten der Straße, die feierliche Stille, machen die⸗ ſen Hain überaus melancholiſch. Durch verſchiedene Gaſſen des aͤußerſten Stadtviertels kamen wir uͤber einen kleinen Huͤgel auf einen freien Platz, welcher ſich mit einer Brucke in das Meer endigt. Hier mie⸗ theten die Janitſcharen ein Paar Lſchaik Maͤhne) zum Ueberfahren. Die ganze Geſellſchaft theilte ſich in zwei Schiſſchen, und wir ſtießen vom Lande. Wir ſind in der Mitte des Hafens, die ungeheure Haupt⸗ ſtadt, das ſolze Stambul, auf 7 Huͤgeln thronend, entfaltet ſich ganz vor meinen Augen. Rechts erheben ſich auf den vielen Anhoͤhen prachtvolle Paläſte, un⸗ zählbare Moſcheen, viele tauſend Minarets, Gebaͤude ohne Zahl, ohne Ende;z und unter dem bunten Ge⸗ miſche der Häuſer erheben Cypreſſenbaͤume ihre hohen Wipfel. Links dehnen ſich uͤber die bergichten Ab⸗ haͤnge die Vorſtaͤdte aus, und das Ganze bildet ein prachtvolles Amphitheater um die weite Bay des Hafens, welcher die Geſtalt eines Halbmondes hat, daher die alte Benennung des goldenen Horns.