Teil eines Werkes 
4. Th., 1. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Tuͤrken kennen lernte, kamen ſie mir ehrlich, aufrich⸗ tig, gutthaͤtig, liebreich, maͤßig, ja auch artig vor; und ich bemerkte unter ihnen jfleißige und geſchtekte Leute.

Unſere Reiſe ging raſch fort, und wir befinden uns nun am Fuße des Haͤmus, welchen die Tuͤrken, wie jedes andere hohe Gebirg den Balkan nennen. Seine Kette erſtreckt ſich vom adriatiſchen bis zum ſchwarzen Meere, beinahe s0 Meilen. Er ſcheidet Bulgarien von Rumelien. Die Graͤnzen Bul⸗ gariens ſind aber lange verwiſcht; ſeine meiſten Staͤdte von Luͤrken eingenommen und ſogar die Bul⸗ garer wiſſen kaum mehr, daß ſie in Bulgarien ſind. Das Land iſt voll von Bergen und Huͤgeln; letztere geben vortrefflichen Wein, erſtere treffliche Weiden. Die Hirten pflegen in Dienſten der Paſcha und der Großen zu ſtehen, oder ſie bebauen, in ihre Gebirge zuruͤckgezogen, die kargen Felder. Die Bulgaren⸗ ehemals ein kriegeriſches und furchtbares Volk, leben jetzt in Düͤrftigkeit, Demuth und politiſcher Erſchlaf⸗ fung; muſizieren, tanzen, ziehen nie ohne Tudelſack aus, kleiden ſich in eine Jacke von Schafpels, in weite Beinkleider von Leinwand, in Muͤtzen von Laͤmmer⸗ Fellen und in Schuhe vom rohen Leder der Wild⸗ ſchweine. Der Bart iſt nicht ſtark, die Haut oliven⸗ faͤrbig, das Ausſehen welk, der Wuchs ſchoͤn, die Miene geiſtlos.

Wir klimmten muthig den Balkan hinauf, je ni⸗