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Mit dem Eintritte der Nacht ritten wir von Pn⸗ wavadi weg und erblickten, als wir durch ein bulga⸗ wiſches Dorf kamen, die Weiber deſſelben, im Freien einen Kreis bildend, um ein Feuer litzen. Sie drehten fleißig die Spindel., und bereiteten in laͤndlicher Un⸗ ſchuld die flockige Wolle, indem ſie in harmvniſcher Fuͤlle einen Choralgeſang anſtimmten, deſſen Melvdie mich ruͤhrte. Ihre Kleidung naͤhert ſich der wallachi⸗ ſchen; ſie ſelbſt ſind reitzend, und vereinigen mit der Regelmaͤßigkeit der Zuͤge und dem ſchönen Baue des Koͤrpers, den Vorzug eines hohen edlen Wuchſes und eines majeſtaͤtiſchen Ganges.
Wir mußten nun nach der Ruhezeit aufbrechenz der Weg verlor ſich in die unabſehbaren Waͤlder des Haͤmus, war ſo voll von Geſtraͤuchen und ſo ver⸗ wachſen, als wenn er nie befahren wuͤrdes vie hin⸗ überragenden Aeſte mahmen uns bei dem Dunkel der MNacht unablaͤßig die Muͤtzen ab. Dieß war ſehr un⸗ angenehm, und das häufige Abſteigen um das Verlorne zu ſuchen, ſehr laͤſtig. Als wir das naͤchſte bulgariſche WDorf erreichten, wurde beſchloſſen hier Nuchenunis zu halten.
In den Ortſchaften, durch welche wir jetzt zogen, borten wir keine Gluckwuͤnſche mehr, obgleich jene in Bulgarien liegen. Der Fanatismus wird ſchon finſterer; doch gibt es auch Lürken, welche frei von Vorurtheilen ſich zu dem hohen Standpunkte einer Aberalen Toleranz gehoben haben. In wiefern ich die


