118
Stadt bis zum Gipfel des Berges erſtrecken ſich die Ruinen eines alten Roͤmer Schloſſes. Nicht ohne Gefahr mußten wir uns uͤber einen langen, jaͤhen, ganz mit Steinen uͤberſchuͤtteren Sreppenweg hinabſenken, wo ſich uns alles verſchloß. Man findet auf den glat⸗ wen Pberflaͤchen der Felſen in horizontaler Lage große eiſerne Ringe befeſtigt, deren Zweck raͤthſelhaft iſt. Paravndi hat mehrere ſchoͤne Moſcheen und auch Baͤder. Die Straſſen erſchtenen, weil der Abend nicht mehr ferne war, ziemlich leer. Nur hier und da nahm ich tuͤrkiſche Weiber in gruͤner Kleidung, mit ver⸗ mummtem Kopfe und einem hinter einem weißen Tu⸗ che verbargenen Geſichte, wahr; blos die Augen fun⸗ keln heraus und ein Theil der Naſe ragt hervor. Die Frauenzimmer⸗Tracht iſt die Einfachheit ſelbſt. Sie
legen ein langes grunnes Kleid an, welches rckwaͤrts
ſehr weit hinab reicht, mit einem viereckigen Kragen. Es ſieht im Ganzen unſerm Reitkleide etwas aͤhnlich und heißt Ferradſche. Ueber das Antlitz breitet ſich ein weißer Schleier und an den Fuͤßchen haben ſie gelbe Sandalen. Außerhalb des Hauſes duͤrfen ſie nicht mit ihrem Manne erſcheinen; auch keine galan⸗ ten Herren ſich einfinden, und ihnen Aufmerkſamkeit ſchenken. Es iſt nicht rathſam eines der begegnenden Frauenzimmer ſtarr zu betrachten, ſondern man trete ihnen lieber ſchon in der Ferne aus dem Wege: denn ſie werden ſehr leicht beleidigt und ſind meiſtens uber⸗ trieben fanatiſch.


