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Vermoͤge der dreihundertjahrigen K Kuechtſchaft und der ſchrecklichen Zwingherrſchaft der Tuͤrken kann
man bei den Griechen keine Tugenden ſuchen.
Falſchheit, Betrug, Eiferſucht, Geiz, Rachſucht, Argwohn und noch viele andere Untugenden ſcheinen ihnen angeboren zu ſeyn; doch haben ſich die Grie⸗ chen ſeit ihrer Befreiung vom Sklavenjoche bedeu⸗ tend in ihren Sitten verbeſſert. Wenn ſie auch tief geſunken ſind, ſo müſſen uns doch wieder viele Eigen⸗ ſchaften, welche ſie beſitzen, überzeugen, daß ſie ſich wieder zu einem befferen Geſchlechte erheben können und werden. Betrachten wir ſie als Familienvaͤter und als Freunde unter ſich, ſo finden wir gewiß alle lobenswuͤrdigen Eigenſchaften, welche ſich von dem moraliſchen Penſchen, als Gatten, Freund und Bru⸗ der erwarten laſſen. Dagegen iſt ihr Benehmen gegen
Fremde wirklich undankbar und ſogar falſch.
Talente, Fleiß und Wißbegterde beſitzen ſie im hohen Crade, aber ſie entwuͤrdigen dieſe Vorzuͤge jetzt noch durch Ciſt und Betrug. Die Religioſttär und ſtrenge Sittſamkeit der Frauen ſind vortreffliche Eigen⸗ ſchaften eines Volks⸗Charakters, nur mäßten Le von Verſchmitztheit, Haß gegen Andersglaͤubige und Fremde gereinigt ſeyn, wenn ſie im ſchoͤnen Lichte erſcheinen ſollten. Stolz, Uebermuth, Frechheit und noch viele andere boͤſe Leidenſchaften beherrſchen die Griechen.
Die Nachahmung der tuͤrkiſchen Sttten ſcheint nach und nach von den Patrioten verdraͤngt zu wer⸗ den. Deſto lobenswuͤrdiger iſt die Erhaltung vieler alter Sitten, welche der Nation wirklich Ehre machen.
Des ſchoͤnen Wuchſes und der ausgezeichneten Geſichtsbildung der Griechen wollen wir im Vor⸗ übergehen erwaͤhnen. Nicht minder iſt dieſes der Fall bei dem welblichen Geſchlechte. Der ſchlanke regelmaͤßige Wuchs, die ſchoͤne Geſichtsbildung, ver⸗ bunden mit einer blendend Grundfarbe, einem


