Teil eines Werkes 
3. Th., 3. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

264 heit ſeiner Abkunft und nach den beruͤhmten Namen ſeiner Vorfahren in groͤßerm oder geringerm Anſehen. Bei der Geburt des erſten Kindes zahlt der Vater dey Frau den uͤbrigen Theil ihres Vermoͤgens an den Mann aus, und uͤberreicht ihr in dieſem gluͤcklichen Augen⸗ blicke die ausgezeichneten Unterſcheidungs Zeichen eines verheiratheten Frauenzimmers: einen langen weißen Schleier uͤber einer Art rother Haube. Die weiße Farbe iſt ſowohl bei verheiratheten, als unverheirathe⸗ ten im Gebrauche. Die Mannsperſonen tragen jeder⸗ zeit farbige Kleidungsſtuͤcke. Der Frau liegt die Be⸗ ſorgung der Waffen und Ruͤſtung ihres Mannes ob. Sollte er dieſe vielleicht entehren, ſo iſt er dem be⸗ ſtaͤndigen Spotte ſeiner Frau ausgeſetzt, bis er dieſen Flecken abwaͤſcht. Die Gaſtfreundſchaft iſt bei den uͤchten Zirkaſſiern eine ausgezeichnete Tugend. Bei den Kyſtis, einem andern Kaukaſiſchen Stamme, geht dieſe Hoͤflichkeit ſo weit, daß wenn ein Reiſender in einer ihrer Wohnungen anlangt, der Wirth einer ſeiner Toͤchter befiehlt, den Gaſt gehoͤrig zu bewill⸗ kommnen, fuͤr ſein Pferd und ſein Gepaͤck zu ſorgen, und Nachts bei ihm zu ſchlafen. Letzteres auszuſchla⸗ gen, wuͤrde als eine große Beleidigung fuͤr das Maͤd⸗ chen und ſeinen Vater angeſehen werden. Die Ein⸗ gebornen eines Theiles von Lappland, nicht weit von Tornlae, haben eine aͤhnliche Sitte, aber dann iſt es die Frau des Wirthes, welche dieſer den Armen ſeines Gaſtes uͤberlaͤbt.