Teil eines Werkes 
3. Th., 3. Bdchn (1831)
Entstehung
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oder das geringſte Erſtaunen uͤber unſere Keckheit zu erregen, gingen wir an den Drt, wo die Frauenzim⸗ mer eben aus dem Waſſer gekommen waren. Hier fanden wir eine große, hoͤhlenartige Kammer duͤſter erleuchtet, und gewaltig von Schwefeldaͤmpfen rie⸗ chend, welche aus beinahe 20 Fuß tiefen Aushoͤhlun⸗ gen emporſtiegen. Durch dieſen duͤnnen Dampf, wel⸗ cher ſich wie Rauch uͤber einen kochenden Keſſel dreh⸗ te, konnten wir die Geſtalten von Frauenzimmern in jeder Stellung ſehen. Erſtaunt uͤber ihre unverſchaͤmte Kaͤlte, mit welcher ſie in ihren Reinigungen fortfuh⸗ ren, nachdem ſie unſern Eintritt bemerkt hatten, lehn⸗ ten wir das weitere Herumfuͤhren von Seite unſerer Mentorin ab, und gingen weg.

Durch den Umgang der hoͤheren Staͤnde von Tif⸗

lis mit Civilbeamten und den Offizieren des ruſſi⸗ ſchen Reiches haben jene Vieles von ihren aſtatiſchen Sitten verloren. unter den niedern Volks⸗Klaſſen ſind die Wirkungen des europaͤiſchen Umganges noch viel auffallender. Die haͤufige Einguartirung ruſſiſcher Soldaten in die Haͤuſer der Bewohner noͤthigte die⸗ ſelben oft, den fremden Gaͤſten ihre Weiber ſehen zu laſſen. Da Soldaten ſelten ſtreng in Hinſicht der Frauenzimmer ſind, ſo benutzten ſie die gelegentliche Abweſenheit der Maͤnner, alle Ueberreſte der weiblichen Zuruͤckhaltung in den Gemuͤthern der unwiſſenden, aber ſchoͤnen Weiber derſelben auszurotten. Gehen