154
waͤhrend des Redens machen ſie ſolche Gebaͤhrden, daß auch ihre Arme Anſtand und Grazie erhalten.
Der Hottentotte iſt von Natur furchtſam und wenig unternehmend. Sein kaltbluͤtiges Weſen, und ſein bedaͤchtlicher Anſtand geben ihm eine zuruͤckhal⸗ tende Miene, welche er ſelbſt in den Augenblicken der Freude nicht ganz ablegt, waͤhrend die ſchwarzen und braunen Voͤlker bei ihren Feſten ſich der ungemeſſend⸗ ſten Luſtbarkeit uͤberlaſſen. Die angeborne Gleichguͤl⸗ rigkeit iſt die Urſache ſeiner Unthaͤtigkeit und Traͤg⸗ heit. Er widmet ſich der Jagd nicht aus Leidenſchaft, ſondern aus Noth, um den Hunger ſeines Magens zu befriedigen. Er vergißt leicht das Vergangene, be⸗ kuͤmmert ſich nicht um die Zukunft, und lebt nur fuͤr den jetzigen Augenblick.
Deſſen ungeachtet ſind die Hottentotten gutartig, dienſtfertig und das großmuͤthigſte und gaſtfreieſte Volt. Jeder Reiſende iſt der guten Aufnahme, des Aufent⸗ palts, und der Nahrung bei ihnen verſichert. Iſt er durch Geſchenke erkenntlich, ſo nehmen ſie dieſelben zwar an, fordern ſie aber niemals mit Ungeſtüm. Iß das Ziel ſeiner Reiſe weiter, als er wieder eine Hordo treffen kann, ſo unterſtützen ſie ihn mit Lebens⸗Mit⸗ teln und andern Beduͤrfniſſen, ſogar mit Begleitern. Vor der Ankunft der Europaͤer am Kay hatten die Hottentotten nicht einmal einen Begriff vvm Tauſch⸗ handel; aber nachher wurde der Tabak und verſchie⸗ dene eiſerne Werkzeuge ganz unentbehrlich.


