122 lodiſchen Loͤnen einer Violine und einer Flote, auf welchen keine andere, als europaiſche Weiſen geradbrecht wurden, fanden ſie nur wenig Gefallen; deſto mehr er⸗ freuten ſie ſich zu wiederholten Malen an einer klei⸗ nen, niedlichen, zwoͤlfjaͤhrigen Timorianerin, die auf eine ſehr geſchmackvolle Weiſe eine kleine Harfe ſpielte. Schon die Art, wie ſie ihr Inßrument an⸗ faßte, hatte etwas ganz Eigenes. Sie ſetzte ſich näm⸗ lich auf einen ganz niedrigen Stuhl und legte die Harfe beinahe horizontal auf ihre Knie, ohne daß dieſe ſeltſame Stellung dem Reize der Ausfuͤhrung den min⸗ deſten Abbruch that. Mitunter ſpielte auch Mad. Diel⸗ mann ſelbſt einige Stücke auf dem Piano, und ob⸗ ſchon ſie eben keine Meiſterin war, ſo ermangelten die hoͤflichen Franzoſen nicht, ihrem guten Willen ſo⸗ wohl als ihrer unermudlichen Gefälligkeit die gebuͤh⸗ rende Gerechtigkett widerfahren zu laſſen. Haͤuſig wur⸗ den dieſe Abendgeſeliſchaften von einem jungen, ſehr liebenswuͤrdigen und einigermaßen gebildeten Chine⸗ ſen beſucht, der hier die Stelle eines chineſiſchen Ca⸗ pitains bekleidete, etwas Engliſch ſprach und in ſei⸗ nem Weſen viel Geiſt und Lebhaftigkeit zu Tage legte. Sein Coſtum glich vollkommen demjenigen, welches auf europaͤiſchen Faͤchern und Windſchirmen zu ſehen iſt, ſiel aber angenehm in die Augen.
Mad. Tielmann wurde, obgleich eine Meſtizin⸗ von den Ankoͤmmlingen aus Frankreich gleichſam als eine Landsmaͤnnin begruͤßt. Zu Java geboren


