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und Wurzeln. Jetzt aß er zwar Alles, aber mit der groͤßten Maͤßigkeit. Sein Lebensgrundſatz iſt vollkom⸗ mene Unabhaͤngigkeit, und ſein einziges Beſtreben be⸗ ſtand, wie er vorgab, in der Beherrſchung ſeiner Let⸗ denſchaften. Die Geduld zu verlieren und gereizt zu ſcheinen, wuͤrde er fuͤr das groͤßte Ungluck halten, das ihm widerfahren koͤnnte. Dennoch ſcheute er nicht nur keine Selegenheit, ſondern ſuchte ſie vielmehr, um ſeine Geduld auf die Probe zu ſetzen, und ertrug mit heldenmuͤthigem Stvictsmus alles Unangenehme, das ihm auch im reichlichen Maße zu Theil wurde. Wenn er auf einem Flecke ſand, ſo ſellte er eine vollkomme⸗ ne Bildſaͤule vvr. Er bewegte dann keinen Dheil ſei⸗ nes Koͤrpers, und verzog keine Miene, man mochte ihn ſchimpfen oder reizen, ſo viel man wollte. Nur die Augen ſchlug er nieder, wenn man ihn zu ſcharf anſah. Sum Bewundern ertrug er Hitze und Kälte. In den Monaten December und Januar iſt es in Canton ſehr kalt, und oft fällt das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Dennoch ging er ohne die geringſte Bedeckung in den Straßen herum. Er war ein wohlgebauter Mann von mehr als mittlerer Grö⸗ ße, mit feurigem Auge und regelmaͤßigen Geſichtszuͤ⸗ gen. Seine Leibesfarbe war dunkelbraun, wie die Farbe der noͤrdlichen Hindoſtaner, und ſein ſchwar⸗ zes Haar ſtark gekraͤuſelt. Er ging vollkommen nackt. nur bing ein Stück grober grauer Leinewand von fei⸗ nen Huͤften auf die Waden herab. Der Erzaͤhlung 80. Sd. Reiſru um dir Welt. V. 4. 6


