73 guͤnſtig und behutſam man guch urtheilen moͤchte, wohl mehr tadelns„ als lobenswerth. Die Reglerung iß⸗ wie bekannt, im ausgedehnteſten Verſtande despotiſch⸗ und eben deßwegen nicht immer weiſe. Ihr despo⸗ tiſcher Geiſt erßreckt ſich ſufenweiſe vom Throne bis auf die geringſten Regierungsbeamten. Das Volk ſeufzt unter dem Drucke dieſer niederen Tyrannen.
Die Selbſterhaltung zwingt Viele, das moraliſche Ge⸗
fühl hauſig zu verlaͤugnen, und dadurch allein kann die ſittliche Verdorbenheit der Ch ineſen einigerma⸗
ben entſchuldigt werden. Allein der allgemein gedul⸗
dete Kindermord, der ſchamloſe Handel, welchen Ael⸗ tern mit ihren Toͤchtern treiben, nachdem ſie dieſelben blos zur Proſtitution erzogen haben, u. ſ. w.— That⸗ ſachen, welche ſelbſt von den groͤßten Lobrednern der Chineſen nicht gelaͤugnet werden koͤnnen, ſind nicht zu entſchuldigen! Auch uͤberzeugt man ſich, daß die chineſiſche Regierung, wenn gleich in ihren Geſetzen und Staatsmaximen einige glaͤnzende Punkte in ſin⸗
den ſind, welche einen vorthetlhaften Schein auf das
Ganze werfen, dennoch keineswegs einen ſolchen Grad der Vollkommenheit erreicht hat, wie man es den Eu⸗ ropaͤern gerne hat glauben machen wollen. Wie laͤßt ſich auch einer Regierung Vollkommenbeit bei⸗ meſſen, welche unaufhoͤrliche Rebellonen im Lande duldet, wenn gleich dieſe Rebell vuen oft nur die Fol⸗
ge einer Hungersnoth ſiad. Dieſe Empoͤrungen allein
beweiſen ſchon, zwie ehlephaft die Gineſſche Reuiz⸗


