Teil eines Werkes 
3. Th., 2. Bdchn (1830)
Entstehung
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unterſchied. Vor mir dehnte ſich eine dunkle Linie von Mauern und verwirrt durch einanderliegenden Haͤuſern aus. Man ſah nur ein einziges Licht am Ufer, und hoͤrte kein Geraͤuſch. Und dieß war Ale⸗ randria, die Nebenbuhlerin von Memphis und Theben, einſt von drei Millionen Menſchen bewohnt, das Heiligthum der Muſen, wo die laͤrmenden Orgien des Antonius und der Kleopatra einſt die Stille der dunklen Nacht unterbrachen. Ich horchte verge⸗ bens, ein unſeliger Zauber ſchien die Bewohner des neuen Alerandria in dumpfes Schweigen zu be⸗ graben, und dieſer Zauber war der Despotismus, wel⸗ cher alle Freuden erſtickt, und auch den Schrei des Schmerzens nichtsgeſtattet.

Am folgenden Tage beſuchte ich den franzoͤſiſchen Konſul Drovetti, von welchem ich mit Ruͤhrung Abſchied nahm. Mit zwei Franzoſen von der Geſell⸗ ſchaft des H. Leſſeps, welche nach Kahira reiſen wollten, ſchiffte ich mich nach Roſette ein. Hier genoß ich zum erſten Male den Anblick des praͤchtigen Delta, welchem nichts fehlt, als eine freie Verfaſſung, und ein gluͤcklichesVolk. Ich fand auf dieſer praͤch⸗ tigen Ebene nichts wuͤrdiges, als die Erinnerungen an den Ruhm meines Vaterlandes. Ich ſah die Ueberreſte der Denkmaͤler, einer neuen Geſittung, welche Frankreichs Genius an die Ufer des Niles brachte. Der Anblick des großen Stromes und eines friſchen Gruͤns war nicht neu und uͤberraſchend fuͤr