Teil eines Werkes 
3. Th., 2. Bdchn (1830)
Entstehung
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ligen und Prieſter; Mittwochs fuͤr die Todten, Kran⸗ ken und Sklaven; Donnerſtags fuͤr die ganze Welt, und Freitags, um Gnade zu erhalten. Die Armen betteln auf folgende Art um Almoſen: ich bitte Gott, den Beutel derer zu fuͤllen, die mir etwas geben, womit ich meinen Bauch fͤllen kann. Die Luͤrken glauben, Abraham habe den Lem⸗ pel zu Mecca gebaut, und Mo ſes ſey zu Kon⸗ ſtantinopel begraben. Ihre Ehrfurcht gegen die Narren geht in das Grenzenloſe, weil ſie die Narren fuͤr gottlich inſpirirte Perſonen halten. Sie behan⸗ deln daher dieſe Ungluͤcklichen mit aller moͤglichen Aufmerkſamkeit und Schonung; alle Haͤuſer ſtehen

ihnen offen, und ſie ſchalten ungeſtoͤrt uͤber die Tafel

des Großweſſiers, des Muftis, und ſelbſt des Sul⸗ tans. Wehe dem, der ſie beleidigt. Sie laufen auf den Straßen eben ſo frek herum, als haͤtten ſie ihren voͤlligen Verſtand. Dieſe Achtung vor den Narren macht, daß es wenig Narren gibt, und die ſo ſind, daß ſie nicht gefaͤhrlich werden.

Die Ehe iſt bei den Tuͤrken ein rein buͤrgerlicher Ver⸗ trag. Die Weiber duͤrfen die Sheſcheidung nicht ſo oft ver⸗ langen, als die Maͤnner, und nur in drei Faͤllen; wenn der Mann einem natüuͤrlichen Laſter ergeben; wenn er die Donnerſtage ſeine eheliche Pflicht nicht er⸗ füllt; und wenn er ſeine maͤnnliche Kraft verloren hat. Im erſten Falle darf die Frau nur zum Kadi⸗