137 daß ſie gar keinen haben. Dieſe Beobachtung entging bisher den Verlaͤumdern und Lobrednern der Türken. Die Tuͤrken verbinden Beſcheidenheit mit Stolz, Geiz mit Verſchwendung, Habſucht mit Wohlthätigkeit, Sparſamkeit mit Verſchleuderung, Nuͤchternheit mit
Unmaͤßigkeit. Sie ſind halsſtarrig und wieder hoͤchſt nachgiebig; ſie ſind rachſuͤchtig, und wieder die erſten,
die ihren Feind umarmen; ſie ſind gegen ihre Wohl⸗ thaͤter undankbar, und haͤufig wieder wohlthaͤtig; ſie ſind Freunde der Menſchheit, und treten ſie mit Fuͤ⸗ ßen; ſie ſind eiferſuͤchtig und nachſichtig; traͤge und thaͤtig; herzhaft und feig; aberglaͤubig und unglaͤubig. So ſind die Tuͤrken, die im Ganzen weder Lob noch Tadel verdienen. Ihr Himmelsſtrich iſt wohl mehr heiß, als gemaͤßigt; doch haben ſie wenige Leiden ſchaf⸗
ten, und ſie beſitzen weder große Laſter, noch große
Tugenden.
Wenn man dieſe Nation mit irgend etwas ver⸗ gleichen will, ſo wird man ſie einem Hospitale von Geneſenden vergleichen. Man ſieht ſie bald großmuͤ⸗ thig, bald wieder ſklaviſch geſinnt; ſie beſitzen wenig Gedaͤchtniß, und ſind ſowohl der groͤßten Thaten, als der kleinſten Handlungen faͤhig. Bald wollen ſie et⸗ was, bald wollen ſie nichts; in einem Augenblicke ge⸗ hen ſie vom Lachen zum Weinen, von der Grauſam⸗ keit zur Zaͤrtlichkeit, vom Stolze zur Erniedrigung ͤber. Nach dieſer Schilderung lege man alles bei Seite, was der groͤßte Tbeil der emopaͤſſchen Rei⸗


