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Sonneſchirm uͤber ſeinem Haupte; hinter ihm hatte ſich eine Leibwache in der Geſtalt eines Halbmondes aufgeſtellt. Ihre Gewehre hielten die Soldaten bei dem Schloſſe in der rechten Hand, hart am Leibe und gerade in die Hoͤhe. Die Pofbedienten ſtanden auf beiden Seiten, mit bloßen Fuͤßen und in Sklavenklei⸗ der gehuͤllt, und hatten ihr Augenmerk beſtändig auf des Kaiſers Pferd gerichtet, deſſen Wendungen und Drehungen ſie auf das Genaueſte nachahmten.
Als wir uns mit voller Muſik bis auf 80 oder 100 Schritte dem Kaiſer genaͤhert hatten, ſprang die⸗ ſer alte Monarch zu unſerer groͤßten Verwunderung ſehr ſchnell vom Pferde, warf ſich zur Erde nieder, und betete. In dieſer Stellung blieb er einige Mi⸗ nuten liegen, ohne ſich zu ruͤhren, und hielt ſein Ge⸗ ſicht ſo feſt an den Sand, daß ihm beim Aufrichten die ganze Naſe beſtaubt war. Nach vollbrachtem Ge⸗ bete beſtieg er ſein Pferd, nahm einen Spieß in die Hand, und ließ den Geſandten vorfuͤhren, während wir uns hinter ihm in eine Reihe ſtellten.
Nach den ihm gemachten Verbeugungen nickte er mit dem Haupte, ſagte einige Mal Bono, und noͤ⸗ thigte den Geſandten, ſich mit dem Hute zu bedecken. Der Geſandte uͤbergab dann ſein Beglaubigungsſchrei⸗ ben, welches in ein ſeidenes Tuch eingewickelt war, weil nach dem Geſetze dem Kaiſer kein bloßer Brief übergeben werden darf. Nachdem nun der Geſandte den Zweck ſeiner Reiſe, naͤmlich die Herſtellung des


