Teil eines Werkes 
3. Th., 1. Bdchn (1829)
Entstehung
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Gegenden gelaſſen. Dieſes Deffnen und Schließen der Schleußen aber koſtete jedes Mal 60,000 Thaler. Au⸗ ßer dieſem Kanal, der den See Moris mit dem Pil verband, ging noch ein anderer nach dem See Mareotis. Dadurch war er auch mit dem mittel⸗ laͤndiſchen Meere vereinigt. Wie vortrefflich wurde dadurch die Lage des alten Memphis? Ein Kanal konnte alles zufüͤhren, was man aus dem oberen Ae⸗ Lrn ten begehrte, der andere Kanal aber brachte die

rodukte aus dem Delta, und aus dem Mittelmeere die auswaͤrtigen Beduͤrfniſſe. In der Mitte des Sees hatten die Koͤnige einen prächtigen Palaſt gebaut, und ihrem Beiſpiele waren die aͤghptiſchen Großen gefolgt: denn hier war in der Mitte des Sommers die Luft angenehm und kuͤhlend. Außer den Palaͤſten ſtanden aber auch noch Tempel, Pyramiden und Pbelisken in dem See. Alle drei Jahre ließ man das Waſſer des Sees ablaufen durch einen Kanal nach Weſten in Lybien, und nun ſtellte man den Grund der Gebaͤude wieder her, oder führte neue auf. Aus allen Gegen⸗ den Aegypteus kamen dann hundert tauſende von Menſchen zum Arbeiten und zum Fiſchen: denn es war jedem erlaubt, bei dem Aufziehen der Schleußen ein Monat zu fiſchen. Gegen die Periode des Auf⸗ ſchwellens des Nil war alle Arbeit vollbracht. Dann wurde der Kanal geoͤffnet, und in fuͤnfzehn Tagen war der See wieder gefuͤllt.

Aus dieſer Beſchreibung der Stadt Memphis und des Sees, woran und worin ſie lag, ergiebt ſich, daß die Angabe der alten Schriftſteller von der zahllo⸗ ſen Volksmengs in der Hauptſtadt wohl nicht uͤber⸗ trieben ſeyn moͤchte. Zudem war wohlfeil und ange⸗ nebm in Memphis zu leben. Auch waren dort die heiligſten Denkmaͤler der Religion, und es mag nicht uͤbertrieben ſehn, wenn alle Schriftſteller ſagen, daß bundertweiſe kleine Fahrzenge auf dem See umher