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des aͤgyptiſchen Reiches, in ſofern dieſes als Ril⸗Thal betrachtet wird, ſich befand. Hoͤchſt wahrſcheinlich lag ſie nicht da, wo jetzt Kairs iſt, ſondern bei dem Anfange der Sandlvuͤſte, welche die Mumien⸗Pläne heißt, weil in ihr die meiſten Graͤber gefunden wer⸗ den. Vei dem Eingange dieſer Mumien⸗Plaͤne trifft man naͤmlich auf die Ruinen einer großen Stadt, wel⸗ che einen vorzuglich geſunden und angenehmen Auf⸗ enthalt gewaͤhren mußte, weil ſie am Ufer des Sees Moͤris, und zum Theile in demſelben lag. Dieſer See war eine der großten Wohlthaten, welche agyp⸗ üiſche Könige ihrem Lande erzeigt haben; denn er war ganz das Werk von Menſchenhaͤnden, ob er gleich im Umfange 48 teutſche Meilen hielt, und an manchen Stellen 283 4/3 parifer Fuß tief war, wie nach He⸗ rodot's Angabe berechnet iſt. Crotz aller Dämme, Kanaͤle und Schleußen, hatte man den Nil doch nicht ganz in ſeiner Gewalt. Seine Uebertreten wurden noch zu oft eine gewaltſame Ueberſchwemmung, und wenn er nicht hoch genus ſtieg, ſo war in den Kans⸗ len nie ſo viel Waſſer⸗Vorrath, als man fuͤr das Jahr bedurfte. Nun hatte das lubiſche Gebirge nicht weit von Memphis eine bogenförmige Viegung, und das dadurch gebildete Thal oͤffnete ſich in die Wuͤſte. Durch dieſe Beffnung trieb der Nil bei Ueberſchwemmungen ſein äbriges Waſſer in das ſandige Lybien. Das war einem alten Konige Aegyptens, Moͤris nennt ihn die Sage, Wink genug, in dieſem Thale einen See graben zu laſſen, und die gutmuͤthige Thätigkeit des aͤgyptiſchen Volkes machte es möglich. Der See wurde durch einen hreiten und tiefen Kanal mit dem Ril in dem obern Aegypten ſo verbunden, daß er zu ſeder Zeit, auch wenn der Nil nicht hoch ſtieg, doch Ueberſtuß an Waſſer hatte. Der Strom war nämlich ungleich hoͤher als der See. Durch Aufsiehen der Schleußen am Moͤris wunde ſein Waſſer nach allen


