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um ſo mehr wird auch Aegypten ſelbſt in Verfall kommen.
Dieß bedenkend wird nun uͤber den Strom Jedem die Frage wichtig ſeyn: wie der Strom die Frucht⸗ barkeit Aegyptens bewirkt, und was die Urſache ſeiner befruchtenden Kraft ſey?— Die Antwort iſt: der Nil ſchwillt ſtets zu derſelben Jahreszeit an, in den letzten Tagen des Aprils, und ſteigt bis in die
Mitte des Junius. Wahrend dieſer Zeit iſt ganz
Aegypten in der geſpannteſten Erwartung. Steigt der Strom nicht ſchnell genug, ſo ſind die Ufer des Nils mit Menſchen gedeckt, die unaufhoͤrlich nach dem Waſſerſtunde ſchauen, und fällt er etwa gar, ſo herrſcht die groͤtte Beſtuͤrzung. Nit Jubel begräßt man den ſteigenden Strom. Wenn der Nil hoch ge⸗ nug geſtiegen iſt, ſo werden an einem beſtimmten Tage alle Schleußen aufgezogen im ganzen Lande⸗ Die Ueberſchwemmung des ganzen Landes dauert dann gewoͤhnlich von der Mitte des Juli bis zu den erſten Tagen des Novembers. Waͤhrend dieſer Zeit gleicht Aegypten einem großen Meere, in welchem die Stadte und Burgen, die etwas hoch liegen, zu ſchwim⸗ men ſcheinen, und nur durch hohe Daͤmme, ausdruͤck⸗ lich fuͤr dieſe Zeit gemacht, mit einander in Verbin⸗ dung ſtehen. Oft aber werden ſelbſt dieſe Daͤmme uͤberſchwemmt, und aller Verkehr geſchieht alsdann vermittelſt kleiner Schilfkaͤhne. Im November zieht ſich der Strom zuruͤck, und hinterlaͤht einen fetten


