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befruchtenden Schlamm. Wohin dieſer kommt, da gruͤnt und bluͤht dann alles freudig auf; ſelbſt der
Menſch und die Thiere werden ſtaͤrker und ſchoͤner; wohin er nicht kommt, da iſt nur ein Schatten von Leben. Nun beginnt ſogleich die Saat, und ſchon am Ende des Novembers gleicht Aegypten einer gro⸗ ßen gruͤnen Au, und im April iſt alles voll von Fruͤch⸗ ten. Uebrigens haͤngt das Steigen und Fallen des Stroms wahrſcheinlich von keiner andern Urſache ab, als von dem periodiſchen Regen in Aethiopien:
denn hier regnet es vom Maͤrz bis zum September
unaufhoͤrlich, indem der Regen bei der Linie anfaͤngt, und fortgeht bis zu dem zwantigten Grade noͤrdlicher Breite⸗
Woher nun aber die befruchtende Ktaft des Nil⸗ Schlammes? Waͤhrend der Zeit des periodiſchen Re⸗
gens bilden ſich uͤberall große Suͤmpfe, in welchen ſo
boher Schilf und in ſolcher Menge waͤchſt, daß dis Wege, ſelbſt wenn die Sonne ſchon alles wieder ab⸗
getrocknet hat, dennoch unbrauchbar ſind auf lange
geit. Dieſen Wald von Schilf⸗Rohr ſteckt man daher in Brand, und nun liegen die Felder mit Aſche be⸗ deckt, bis der periodiſche Regen von Neuem anfaͤngt, welcher dann die Aſche dem Nil zufuͤbrt, durch wel⸗ che Maſſe wahrſcheinlich der befruchtende Schlamm entſteht.
Aesypten wurde und wird noch jetz eingetheilt in Ober⸗Aegopten oder Thebais, welchen


