Teil eines Werkes 
3. Th., 1. Bdchn (1829)
Entstehung
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des Nils zu Ableitern fuͤr die ungeſtuͤme Fluth dien⸗ ten, und ſo die Wohnungen des Landes vor dem Un⸗ tergauge ſchirmten. Die alten aͤgyptiſchen Koͤnige konnten ſich alſo durch nichts mehr um das Land ver⸗ dient machen, als durch die Erbauuns jolcher Ka⸗ noͤle. Dadurch machten ſie ſich am erſten unſterblich. Dieſe Kanale waren gewoͤhnlich hundert Fuß breit und zwanzig tief, und verbreiteten oft durch den fruchtbaren Schlamm ihrer Waſſer Leben und Reich⸗ thum in Lybien's Wuͤſten. Zahlreiche Volkerſchaf⸗ ten und praͤchtige Staͤdte fanden dadurch in den Wů⸗ ſten ihr Gedeihen; aber jetzt zeigt ſich ihnen nichts mehr, als traurige Sruͤmmer, und die volkreichen Staͤdte ſind mit Sand ſo begraben, daß die grabi⸗ ſchen Maͤhrchen ertaͤhlen, ehemals haͤtten Feen in Ly⸗ bien's Wuͤſten gewohnt, welche durch ihre Zauberei

Städte haͤtten entſtehen laſſen. Die aſiatiſchen Er⸗

oberer ließen naͤmlich die Nil⸗Kanaͤle zerfallen, und ſo kehrte die alte Unfruchtbarkeit der Wuͤſte zuruͤck. neberhaupt beſtehen jetzt nur noch zwei der beruͤhmten Nil⸗Kanaͤle, die auch nicht zerfallen können, da ſie in Felſen gehauen ſind. Mit der Fruchtbarkeit Ae⸗ gyptens muß aber ſtets auch der einheimiſche Ver⸗ kehr verlieren: denn die Kanaͤle dienen auch zum Ver⸗ ſchiffen der Waaren. Burch den Nil erhſelt Aegyr⸗ ten ſeine fruͤhe Bluͤthe, die ſich um ſo ſchoͤner ent⸗ wickelte, je ſorgfaͤltiger man den Strom benutzte⸗ Je mehr man dieſen aber vernachlaͤſſigen wird⸗