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Wenn wir bisher die Griechen beſonders bei ihren Heiraths⸗Ceremonien, auf einer niedrigen Stufe der Kultur und Eiviliſation erblickt haben, ſo mag die Nachricht nicht unintereſſant ſeyn, auch zu ſehen, wie ſie groͤßtentheils noch rohem Aberglauben ergeben ſind. So hegen die Griechen den Wahnglauben, der Kir⸗ chenbann mache den Leichnam der in Bann getha⸗ nenen Perſonen unverweslich, und ſeine Seele, die um ſein Grab herumwandere, bringe die Vorbeigehen⸗ den um das Leben, und naͤhre ſich vom Menſchen⸗ Blute. Dieſer Aberglaube hat den Kirchenbann ver⸗
vielfaͤltigt, rund die Todtenaͤcker mit Geſpenſtern be⸗
völkert, welche von den Griechen Urikolakas ge⸗ nannt werden. Hoͤrt man Nachts ein Geſchrei oder Geraͤuſch, oder wird ein Luͤrke oder Grieche im Fin⸗ ſtern von einem Raͤuber angegriffen, ſo iſt dieſes ſicher die Stimme, oder der Angriff eines ſolchen Geſpenſtes. Bei der erſten Nachricht davon eilt man zum Grabe des juͤngſt beerdigten Menſchen, ihn wieder aus zu ſcharren. Wehe demſelben, wenn er noch nicht fault! Man eilt ſicher ſogleich zum Biſchof, und bittet, ihn des Bannes zu entledigen. Das geſchieht gegen Er⸗ legung einer großen Summe, und auf folgende Weiſe. Die Verwandten des im Bann geglaubten Leichnams bereiten eine praͤchtige Tafel auf dem Todtenacker. Sind ſie arm, ſo muß es der reichſte Guͤter⸗Beſitzer fuͤr ſie thun. Der Biſchof kommt in ſeinem prieſter⸗ lichen Ornate, und gebietet dem Lodten, die vorge⸗


