Teil eines Werkes 
3. Th., 1. Bdchn (1830)
Entstehung
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naͤhrung der Mannsperſonen zu fliehen; bald bemuͤht ſie ſich, vorwaͤrts zu ſchreiten. Dhne Widerſtand uberlaͤßt ſie ſich den Armen der Mutter; ſie zit⸗ tert; ſie ſcheint in Ohnmacht zu ſinken, wenn ſie ihre Hand in die des Braͤutigams legen ſoll. Dieſe Scene dauert eine ganze Stunde, und wird noch fortgeſetzt, waͤhrend ſie ſich zu ihrem Manne be⸗ giebt, und auch waͤhrend der Abendmahlzeit, wo ſie weder eſſen noch teinken darf. Dieſe Heuchelei iſt em⸗ porend, wenn man bedenkt, daß die Ehre eines Maͤd⸗ chens auf dem guten Spiele dieſer Komoͤdie beruht, und man kann leicht ſchließen, was die Ehe bei einer Nation ſeyn muß, wo die Frau mit der Verſtellung, und der Mann mit Syranniſiren beginnt.

Uebrigens iſt unter den Griechen eben ſo, wie bei den Tuͤrken, noch eine andere eheliche Ver⸗ bindung uͤblich, die ſie Kapin nennen. Sie kom⸗ men mit einem Frauenzimmer uͤberein, mit demſelben ſo lange zu leben, als es ihnen gefaͤllt. Sie gehen zum Richter und zum Biſchof, um von dem erſteren die Erlaubniß, von dem zweiten die Einſegnung zu erlangen. Dieſe Unordnung wird alſo von den Ge⸗ ſetzen und der Religion gebilligt. Daher gibt es Maͤnner, die auf dieſe Art zwaniig Frauen haben. Die Kinder muß der Mann erziehen, allein Elend und Liederlichkeit iſt ihr Erbgut. Dieſe Sitte aber iſt nicht die einzige, welche die Griechen von den Tuͤrken an⸗ genommen haben.