Teil eines Werkes 
3. Th., 1. Bdchn (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

110

Der Parnaß iſt ein duͤrres und ſteiles Gebirge, wo ſich kaum Dammhirſche, Rehhoͤcke und Gemſen ernaͤhren, und Cyrrha iſt ein elendes Dorf Liva⸗ diens. Alles Vergnuͤgen, das ſich Serofani von dem Parnaße verſprach, verſchwand wie ein Traum, als er ſich dem Abhange dieſes Berges naͤherte. Er iſt ganz waſſerarm, ohne Produkte und ohne Gruͤn, traurig und zuruͤckſtoßend, Geiſt und Sinn beleidigend. Auf einem holperigen und ſchwierigen Wege, durch Brombeerſtraͤuche, und uͤber ſpitzige Felſen binweg ſteigt man zwei Stunden bergan, der brennendſten Sonne ausgeſetzt, dem heißeſten Durſte Preis gegeben. Noch eine halbe Stunde, und man iſt in Caſtri, einem Dorfe. Mit Erlaubniß des Befehlshabers in dieſem Drte und gegen ein Geſchenk von zehn Pia⸗ ſtern darf er nach Belieben auf den Ruinen von Delphi umherwandern, nachdem er eine Nacht bei dem artigen turkiſchen Woiwoden zugebracht hatte.

Das einſt ſo beruͤbmte Delphi, wo Apollo Ora⸗ kel ſprach, wo die herrlichſten Tempel ſtanden, wo die Phocenſer und Gallier einſt uber dreißig Millionen an Gold und Sdelſteinen raubten, wo Nero ſiebenhun⸗ dert Statuen von Bronze ſtahl, dieſes Delphi iſt nicht

.

mehr. Nur einige Saͤulenſtuͤcke und eine alte Ruine

einer Mauer verkuͤndigen ſein ebemaliges Daſeyn

noch heute. Das gegenwaͤrtige Delphi iſt ein

elendes Dorf von etwa 200 Häuſern. Das Stadium

*