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Haus gehen ſehen. Bits jetzt hat der Braͤutigam ſeine Vraut noch nicht geſehen, der Mutter keht das Recht zu, ſie zu entſchleiern. Man wuͤnſcht dem Gatten jetzt Gluͤck, bereitet ein Mahl, nach welchem man Lie⸗ der ſingt, welche wohl keuſche Dhren beleidigen koͤn⸗ nen. Zehn Tage nach der Hochzeit muͤſſen die Neu⸗ vermaͤhlten die Eltern der Frau beſuchen, wo ſie Ge⸗ ſchenke erhalten Das Mahl, der Ankauf neuer Klei⸗ der machen dieſe Gebraͤuches ſehr koſtſpielig. Am Frei⸗ tage beſuchen die Frauen die Gräber ihrer Gatten oder Verwandten.
XXXI. Reiche Rerſer werden in Menge von Schuͤtzlingen und Lafelfreunden beſucht, welche nun wie zur Familie gerechnet werden. Zum Zeichen der Freundſchaft faſſen und druͤcken die Morgenlaͤnder die
Hand, fuͤhren ſie an den Mund, und druͤcken ſie dann an das Herz. Die Hoͤflichkeits⸗Formeln der Perſer ſind vielfach und ſeltſam. Nichts iſt ſchwuͤlſtiger, als ihr Briefſtyl. Sie ſchuͤtzen ſich gegen die Wirkungen des ſcheelen Blickes(Nazar).
Die Gaſtfreundſchaft iſt die Tugend, welche der Muſelmann am meiſten ehrt. Zweikampf iſt nicht be⸗ kannt. Iſt einer im Kampfe oder anderswo getoͤdtet worden, ſo fordern ſeine Verwandten oder Weiber die Auslieferung des Moͤrders. Sein Schickſal legen die Geſetze in ihre Hoͤnde. Die Freuden des Spieles erſetzen ſich die Morgenlaͤnder durch Erzaͤhler und Spaßmacher.


