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lich. Er liebt die Wiſſenſchaften, die Jagd, und fuͤhrt die Lanze ſehr gut.
Seit dreißig Jahren ſtammen Perſiens Herr⸗ ſcher aus dem alten und maͤchtigen Stamme der Kad⸗ ſcharen, welche einſt von den benachbarten Aſtera⸗ bad⸗Gebirgen kamen. Die Kadſcharen allein haben An⸗ ſpruch auf wichtige Aemter, Heerfuͤhrung und Landpfle⸗ gerſchaften. Ihre Khane bilden, nebſt denen der Afſcha⸗ ren, Zenden, Schagagis und andern großen Staͤmmen den Hof, welcher ſich täglich mit dem Auf⸗ gange der Sonne im Palaſte des Schah verſammelt.
Ehrfurchtsvoll und mit den Haͤnden uͤber der Bruſt gekreutzt, erwarten ſie den Monarchen; He⸗ rolde verkuͤnden ſeine Ankunft. Der Schah beſteigt den Thron, man reicht ihm eine mit Steinen beſetzte Pfeife. Etwa 100 Schritte vom Throne entfernt, verneigen ſich die vornehmſten Hoͤflinge tief, treten dann näher, werfen ſich abermals nieder, endlich ziehen ſie die Fußbekleidung aus, um zum dritten Male nie⸗ der zu fallen. Die Jaſſauls(Leibwache), Golam⸗ ſchah's Goͤnigsſtlaven) huldigen dann dem Koͤnige auf dieſelbe Weiſe; er aber bleibt voͤllig unbeweglich. Am Ende dieſer Audienz, welche Selam heißt, ſpricht der Monarch uͤber die eingereichten Bitten, und ſeine Miniſter verkuͤndigen die Gnaden, welche er zu erthei⸗ len geruht.
Ein ziemlich aͤhnlicher Fall ſoll im Harem Statt fin⸗ den. Die Weiber des Koͤnigs, 30o an der Zahl, er⸗


