Teil eines Werkes 
2. Theil (1831)
Entstehung
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„O iſt das Dein Kummer allein, ſo raͤume mit ihm das letzte Hinderniß unſerer gegenſeitigen Zärt⸗ lichkeit hinweg! Haſt Du nie gehört, nie ſelbſt empfunden, daß die Liebe keinen Stand kennt?“

„Wohl hab' ich es empfunden, doch mein Herz hat ſeine Liebe. Das Weib des Mannes will ich werden, den ich erwaͤhlte, nicht ſein Liebchen. Er gelobte mir die Ehe vor Gott, und ich muß ihm glauben und ihm treu ſein, bis ich von ſeiner Wort⸗ bruchigkeit und ſeinem Treubruch ganz uͤberzeugt bin, und auch dann noch werd' ich mein Verſprechen halten!“

„Du im Beſitz eines Andern!“ rief der junge Prinz entruͤſtet.„Nimmermehr werd' ich das er⸗ tragen. Mein mußt Du ſein, ewig mein!“ Und ſo zog er das angſtvolle Madchen wie der Geier die Taube hernieder, und bedeckte ihre Wangen, ihren Mund mit brennenden Kuͤſſen. Sie ſeufzte tief auf. Da erhob ſich aus einem Seſſel im Hinter⸗ grunde des Zimmers eine ſtarke, maͤnnliche Geſtalt und trat auf den Prinzen mit abgemeſſenen Schrit⸗ ten zu. Beſturzt ſprang dieſer auf und ließ Jean⸗ netten los, die mit der Schaam der Unſchuld hinter

den Seſſel wich. Beide erkannten in dem ſo un⸗

erwartet Erſchienenen den Offizier George d'Armevall. Ein ſtiller Herzensgram hatte ihn aus der Mitte der Fröhlichen vertrieben; in dieſem Zimmer, das er aus vielen Gruͤnden fuͤr ſeine Abſchiedenheit ge⸗ waͤhlt hatte, war ihm wieder wohl geworden.