Euch mein Geheimniß verrathen; Ihr habt Euch ein Recht auf meine Offenherzigkeit erworben. Ich liebe Euch, Fraͤulein; ich habe Euch geliebt von der Stunde an, in der ich Euch zum erſten Mal ſah, ich werde Euch ewig lieben. Ihr aber ſeid die Tochter des Buͤrgermeiſters d'Alban und ich bin der Sohn des Schmieds Charlot zu la Rochelle.“
„Aber ein Fuͤrſt an Tapferkeit, ein Koͤnig an
Edelſinn,“ fiel ihm Henriette ſchnell ins Wort. Dann ſchlug ſie verſchaͤmt die Augen nieder; hohe Glut faͤrbte ihre zarten Wangen.
„Und darauf duͤrft' ich hoffen?“
„Hoffe Alles, edler Mann; ich bin die Dei⸗ nige!“ ſagte Henriette leiſe und beugte ſich zu ihm hin; er umfing ſie ſanft. Die Sonne trat eben hinter einer Wolke hervor, und kuͤßte mit warmen Strahlen die Scheitel und Stirnen der im erſten Kuß der Liebe vereinigten ſeligen Menſchen; ein leiſer Luftzug ſaugte den Duft aus den Pappelknospen und preitete ihn uͤber ſie; der Fluß unten klang ſeine Wellen aneinander. Da durchzuckte es Theophiles Bruſt wie ein jäher Schmerz und der Gedanke wurde plötzlich lebendig in ihm, als ſei es nicht Henriette, die er liebe, ſondern die ferne Louiſe, und als habe er eben einen Treubruch an Jener begangen. Doch der traͤumeriſche Eindruck verlor ſich und lies in den folgenden Tagen nur einen wehmuͤthigen Nachhall, der allmaͤhlig verklang und verſchwand, verſcheucht von Henriettens Zaͤrtlichkeit.


