Da begriff ich zuerſt, daß der unſelige Glaubens⸗ unterſchied allein es war, welcher uns auf immer
trennen ſollte, und ſo hat ſich denn in meinem Kopfe der Gedanke ausgebildet, daß ich lieber auch 6 katholiſch werden moͤchte, um ihm nur ganz ange⸗ hoͤren zu duͤrfen.“
„Du biſt ein gottloſes Kind geweſen, wenn Du das gedacht haſt,“ verwieß Frau Dallain der unſchuldigen Schwaͤtzerin die Rede, ſeufzte dabei aber tief auf, als ſtrafe ihr eigenes Herz ſie Luͤgen. „Auch ich muß Henrietten beiſtimmen,“ fuhr ſie dann fort.„Wenn Ceſar nicht von ſeinem Irrſal zuruͤckkommt und wieder zur Religion tritt, ſo biſt Du fuͤr ihn verloren, meine Tochter. Das Zeit⸗ liche muß der Menſch dem Ewigen aufopfern, und nicht uͤber dem Haſchen und Streben nach Genuß ſtrflicher Weltluſt ſein Seelenheil verſcherzen, und die Liebe iſt doch nur weltlich.“
„O ich moͤchte ſie fur goͤttlichen Urſprungs halten.“ 4
„Laß das, mein Kind!“ verſetzte Joſephe ſchmerz⸗ lich bewegt.„Du wirſt mit einem andern fröm⸗ mern Gatten gluͤcklicher ſein, als Du es mit Ceſar geworden waͤreſt.“
„Nimmermehr, meine Mutter! Nur ihn konnte ich lieben, nur ihm kann ich angehoͤren.“
„Auch ich dachte einſt ſo, und doch wurde es anders.“
„Aber Ihr liebtet auch Dallain, Euren— nicht, wie Ihr mir ſelbſt geſagt.“


