— „Und Eures Bruders Weib vor Gott.“
„Die Waͤrterin, die Freundin meiner fruͤhern Jugend, nach der ſich mein Herz unaufhoͤrlich ge⸗ ſehnt hat.“
„Und die Euch immer mit derſelben Zaͤrtlichkeit liebende Joſephe, die Euch nie vergeſſen konnte, deren Herz ſtets bei Euch war.“ Henriette ſchloß die Weinende in die Arme.
„O waͤre doch du Froiſſet mit ſeinen Kindern hier,“ ſagte Charlot leiſe,„um die Wonne dieſer Stunde ganz vollkommen zu machen!“ Aber Jean⸗ nette hatte die Worte vernommen und ſchluchzte laut. „Ich verſtehe Deinen Schmerz, armes Kind,“ ſagte Charlot:„Ceſar hat ſeine Schwuͤre vergeſſen, er iſt ſei⸗ nem Glauben untreu geworden. Ich weiß es. O daß ich ſelbſt einen Theil der Schuld tragen muß! Haͤtte ich das ahnen koͤnnen!“ Der Gedanke an Louiſe ergriff ihn; er wollte ihn feſthalten, aber es war nicht moͤglich; die ſchoͤnen Ereigniſſe des Augen⸗ blicks und Henriettens liebliche, erhabene Geſtalt, de⸗ ren Reize durch das ſchwarze Gewand in ſeinen Augen noch erhoͤht wurden, verdrängten alle anderen Betrach⸗ tungen aus ſeiner Seele. Während der Arzt ſeinen Krankheitszuſtand pruͤfte, die Verbaͤnde von den Wunden nahm, hatten ſich Joſephe und Henriette hunderterlei zu ſagen. Beide entfernten ſich, um fur die neu angekommenen Gaͤſte Zimmer einzurich⸗ ten. Erſt gegen Morgen verfugten ſich Alle zur
Storchs Fanatiker. II. 3


