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fand ich einen Dienſt bei einer reichen Marquiſe, die großes Wohlgefallen an meiner Jugend hatte. Ich war damals noch nicht ſechzehn Jahre, ſie ließ mich foͤrmlich erziehen, unterrichtete mich ſelbſt in vielen Dingen, und nahm mich mit ſich nach Paris. Dort erfuhr ich bald, daß ſie eine heimliche Calvi⸗ niſtin war. Sie war dieſem Glauben ſo ſchwaͤrme⸗
riſch ergeben, daß ſie mein beugſames Gemuͤth eben⸗ falts leicht für denſelben gewann, daß ſie ſich aber auch ſelbſt verrieth, bei Hofe in Ungnade fiel und von ihrem Gemahl verſtoßen wurde. Sie eilte mit mir nach la Rochelle, dort nahmen ſie Freundesarme willig auf. Aber ſie war des Glanzes, des Lebens im großen Style gewohnt, die Stille und Einfoͤr⸗ migkeit in der ganz calviniſtiſchen Stadt druͤckten ſie ſehr, ein heimlicher Gram nagte an ihrem Leben, ihre Geſundheit war ohnedieß ſtets wankend geweſen, und ſo uͤberlebte ſie denn ihren Fall nur um einige Jahre. Auf ihrem Sterbebette vermachte ſie mich ihrer innigſten Freundin, der Frau d'Alban, und nahm ihr das Verſprechen ab, mich ſo zu behandeln, wie ich von ihr ſelbſt gewohnt geweſen war. Frau d'Alban war aber doch meine gute Marquiſe nicht; ich merkte den Unterſchied bald. Sie war zwar keine boͤſe Frau, aber ſtets voller Launen, eigenſinnig und empfindlich, eine allzuſtrenge Mutter und des⸗ halb von ihren Kindern nicht geliebt, eine muͤrriſche Gattin und deshalb von ihrem Gemahl nicht geſucht. Alle flohen ſie, ich mußte allein bei ihr aushalten; ich


