ſich vermiethen, die Bruder als Handwerker und Soldaten ihr Brot ſuchen; ich und eine, mehrere Jahre aͤltere Schweſter blieben allein bei der Mutter zuruͤck. Doch kaum war ein Jahr vergangen, als auch ſie ſich ſchlafen gelegt hatte. Ich und mein Schweſterchen ſollten zu Verwandten kommen, bei denen wir eben keinem erfreulichen Looſe entgegen ſahen. Da traf es ſich zufallig, daß ein reicher
Lothringiſcher Edelmann mit ſeiner Gemahlin in un⸗ ſerer Stadt verweilte. Dieſe Frau, welche nur ein Töchterlein geboren, ſich aber ſtets mit der groͤßten Sehnſucht einen Sohn gewuͤnſcht hatte, hatte mich fruͤher ſchon geſehen und Wohlgefallen an mir ge⸗ funden. Als ich nun weinend zu meinem Oheim gefuͤhrt wurde, bei dem ich kuͤnftig wohnen ſollte, befand ſich jener Edelmann mit ſeiner Frau dort. Sie aͤußerte den Wunſch, mich zu beſitzen; der Mann willfahrte ihr gern; mein Oheim wurde mich auf gute Art los, und ſo reiſte ich denn nach einiger Zeit mit dieſen guten Menſchen auf ihre Beſitzungen nach Lothringen und ſah mich bald mit allen zart⸗ lichen Beweiſen elterlicher Liebe uͤberhaͤuft. Wie bald vergißt ein Kinderherz den fruͤhen Kummer um die Trennung von Geſchwiſtern und Geſpielen, dem Ge⸗ burtsort, den Plaͤtzen der erſten geſelligen Freuden, wenn ihm Alles in ſo reichem Maaße erſetzt wird, wie mir! Meine neue Mutter wurde es mir in jeder Bedeutung des Wortes; ich galt ihr eben ſo viel, als ihre Emilie, und wir Kinder liebten uns und nahmen


