149
laufen ſtatt, während im ungariſchen Lager tiefe Stille herrſchte. Nur vom Blocksberge blitzte von Zeit zu Zeit eine Bombe auf, die ihren Weg nach der Feſtung nahm. Der erſte Sturmangriff erfolgte auf die Breſche zunächſt dem Wiener Thore. Deutlich vernahm man das Wuth⸗ geſchrei der Stürmenden, das Waffengeklirr und Knattern des Kleingewehrfeuers. Die außerhalb der Feſtung wohnen⸗ den Ofener waren alle wach. Zitternd lagen viele auf den Knieen und beteten für das Gelingen des Sturms. Der Kampf Mann gegen Mann währte auf den Feſtungs⸗ wällen und an den Ringmauern von zwölf Uhr nachts bis fünf Uhr früh. Hentzi wehrte ſich mit Löwenmuth. Um zwei Uhr nachts wütheten ſeine Kanonen von neuem, aber auch zum letzten Male. Die Hartnäckigkeit ſeiner Vertheidigung, die Verzweiflung, Alles zur Rettung zu wagen, ſelbſt das Aeußerſte nicht unverſucht zu laſſen, trieb ihn in dieſer ſchrecklichen Nacht ſo weit, einen furchtbaren Racheplan in Ausführung zu bringen. Er beabſichtigte nämlich die ſchöne eiſerne Kettenbrücke, eins der bewun⸗ dernswertheſten Bauwerke, welches die beiden Schweſter⸗ ſtädte zu einer Stadt, berbindet und erſt im Jahre zuvor vollendet worden war, in die Luft zu ſprengen. Er hatte zu dieſem Zweck die Brücke an beiden Seiten ſtark ver⸗ barrikadiren und unterminiren laſſen An dem einen Ende commandirte Oberſt Auer. Dieſer warf, als er ſah,


