Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

138

weiter fort:Wolken und Nebel verzogen ſich endlich gänzlich und ſchloſſen das Innere der Tatra dem er⸗ ſtaunten Auge auf. Nackte, ſcharfe Bergkämme und Klippen, Vorſprünge und Widerlagen, Bäche und Seen, leuchtendes Weißgrün der Felſenhäupter, blaue Finſter⸗ niß der Abgründe, dunkle Wälder am Fuße der Berge, glänzende Schneefelder auf den Gipfeln, dazwiſchen Haſen grüner Matten, welche doppelt freundlich die wildzerriſſene Felſenwüſte anlächeln das iſt das Bild der innern Tatra. Thomas beſchloß ſeine pittoreske Mittheilung mit einer alten Volksſage aus der beſchriebenen Gegend: In uralter Zeit, erzählte er,hauſte in der dor⸗ tigen Gegend ein Ungeheuer, welches bald als Schatten erſchien, bald als rieſiges Menſchengebild mit zwei Köpfen ſich zeigte. In dem einen Kopfe wohnte eine unwiderſtehlich ſüße und verlockende Stimme, in dem andern aber ein Gebrüll, dem Donner vergleichbar. Mit der ſüßen Stimme lockte das Ungeheuer die Wan⸗ derer an ſich, mit der Donnerſtimme aber erſchreckte es dieſelben, daß ſie entſetzt davoneilten. Die Donnerſtimme verfolgte und jagte die Unglücklichen ſo lange, bis ſie todt niederfielen und eine Beute des Ungethüms wurden. Einſt führte der Weg zwei Reiſende aus Polen nach Ungarn über die Tatra. Da beide von dem Ungeheuer