Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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Seele ſtand. Da plötzlich, gerade vor uns im Norden, begann der Nebel zu gären und zu brechen. Graue Maſſen ſetzten ſich in Bewegung, die mit weißen glänzenden und flatternden Schleiern zu ringen begannen. Weiße Säulen wandelten majeſtätiſch dahin oder ſtiegen ſenkrecht empor. Andere zogen in ſeltſamen Wirbeln und Verſchlingungen vorüber, launenhafte Phantaſiege⸗ bilde, aber alle leicht, zart, duftig. Einige lagerten ſich ſchmeichelnd zu unſern Füßen, ſchmiegten ſich längs des Berggipfels hin oder riſſen ſich los und ſtiegen als leichte Bälle hoch empor, lange weiße Bänder nach ſich ziehend und endlich als winzige Wölkchen ſilberglänzend am blauen Himmelsdom gen Süden treibend. Mitten aus dieſem Kampfe tritt endlich eine dunkle unbewegliche Maſſe, wie Gewänder fallen die Nebel von ihr herab und der Karfunkelthurm zeigt ſich in ſeiner Majeſtät. Auf ſeiner Spitze leuchtete einſt weithin ein Karfunkel. Doch noch ein köſtlicheres Kleinod verbarg hier die Tatra vor zweihundert Jahren. Im Thale wohnte ein Schäfer⸗ mädchen von wunderbarer Schönheit. In dem Himmel ihrer Augen vergaß man alles Weh und Leid der Erde. Doch ihr Sinn war ſtolz und ſie wollte nur dem Herz und Hand ſchenken, der den Karfunkelthurm erſteige und das Kleinod herabhole. Als einſt Tökölö's Sohn vom Käs- marker Schloß die ſchöne Schäferin erblickte, entbrannte