Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

134

unbeweglich und ſchwimmen in dem hellſten Goldlichte des Abendhimmels. Röthlich umglänzt, gemahnen dieſe ernſten Bergrieſen an das Alpenglühen und ſenden tiefen Frieden in das wunderbar bewegte Gemüth.

Graf Thomas hielt hier inne. Dann ſprach er in ſchöne Etinnerung verſunken:Nimmer vergeſſe ich das Morgengrauen eines ſchönen Auguſttages. Es hatte die Nacht über geregnet. Noch lagen auf den Bergen ſchwere Nebel, die langſam ins Thal ſanken. Wir ſtiegen im Walde empor. Die Sonne erhob ſich endlich hinter den Bergen Hell glänzten die Diamanttropfen in den vio⸗ letten Blüten des Haidekrauts und an den rubinrothen Preißelbeeren. Bis zur Erde neigte ſich die zarte Berg⸗ anemone. Jugendfriſch hatten die jungen Lärchen⸗ und Fichtenſtämmchen das nächtliche Bad abgeſchüttelt und nur ein duftiges Naß zitterte wie hingehaucht auf den grünen Nadeln. Das Leben der Inſekten begann und der goldene Sonnenſchein rieſelte bis ins Herz hinein. Tiefes Schweigen erhöhte den Ernſt der Landſchaft, und nur der langgezogene Ruf eines einſamen Kreuzſchnabels unterbrach die ſonntägige Stille. Je höher wir ſtiegen, deſto einſamer war die Welt. Nur noch einzelne Tan⸗ nen zeigten ſich traurig und halb vermodert, von langem Bartmoos umhüllt, vom Winterfroſte getödtet, andere gebrochen und in den Bach geſtürzt und zum Theil von